Projektidee zu "e-learn-watt 2004"

Am Donnerstag, den 27. Mai, veranstaltet die Schülerfirma axxi.de
zum zweiten Mal ihr Umweltbildungsprojekt „e-learn-watt“.
Das Team aus zwei Schülerinnen und vier Schülern

  • Maike Schmidt, Geschäftsführerin von axxi.de
  • Stefan Knauer, Assitenz der Geschäftsleitung
  • Dennis Gieseke, Teamleiter Multimediaproduktion
  • Christoph Meyer, Leitung Webproduktion
  • Louisa Brunotte, Storyboard und Redaktion
  • Christoph Schroeder, Videoschnitt und Redaktion

meldet sich ab 8.30 Uhr morgens live mit Video- und Tonübertragungen via Internet von der ostfriesischen Insel Baltrum mit diversen Aufgaben aus den Themenbereichen "Tiere und Pflanzen" (Biologie), "Karten und Daten" (Geografie) sowie "Mensch und Umwelt" (Ökologie).

Zu Beginn einer jeden Projektstunde ( 8.30 / 9:15 / 10:15 / 11:00 / 12:00 / 12:45 ) wechselt das Inselteam den Lernort und präsentiert eine ca. fünfminütige Reportage.


In diesem Jahr sind nicht nur Schülerinnen und Schüler des Willms aufgefordert mit Unterstützung von Herrn Dr. Reinhard Wachter (Biologie) Aufgaben und Fragen rund um das Wattenmeer zu lösen.
Weitere fünf Schulen nehmen an dem multimedialen Umwelt-Event teil:

  • Altes Gymnasium Oldenburg, Herr Jörg Witte
  • Grund- und Hauptschule mit Orientierungsstufe Baltrum, Herr Marcus Klinge
  • Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte Oldenburg, Frau Gundel Döhner
  • Mariengymnasium Jever, Herr Bernd-Uwe Janssen
  • Orientierungsstufe Süd, Delmenhorst, Frau Susanne Bernert.

Tatkräftige Unterstützung erhält die Schülerfirma bei der Planung und Formulierung der Aufgabenstellungen durch zahlreiche Experten:

  • Horst Unger, Geschäftsführer des Nationalparkhauses Baltrum,
  • Karl-Eberhard Heers, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und
  • Karl-Günter Jacob, Biologie-Lehrer am Willms.


Einblick in den Aufgabenkatalog / Beispiel Lernort 1 – Hafen:

Für Jahrgang 5 bis 7:
Die Insel ist nur in bestimmten Zeiten erreichbar.
1. Warum? 2. Welche Folgen ergeben sich daraus für die Menschen?

(Fährplan, Bilder von der Fähre, Bilder vom Hafen bei NW und HW)

Für Jahrgang 8 bis 10:
Welche Vorteile und Nachteile hat der Tourismus für die Inselbewohner?

(Geld verdienen, Bekannte treffen, Urlaub machen, Sommer und Winter)

Für Jahrgang 11 bis 12:
Die per Video gezeigten Lebewesen (Seepocken- und Miesmuschelzone an Pfählen und Steinwänden) leben oberhalb der Wattoberfläche.
Welche Probleme ergeben sich daraus für die Lebewesen?
Durch welche Anpassungen werden diese Probleme gelöst?
Wie ernähren sie sich? Wie breiten sie sich aus? Weshalb kommen sie nur in bestimmten Bereichen z.B. eines Pfahles oder Steines vor?
Sind sie auch auf dem freien Watt zu finden?

Navigationsaufgabe für die OS Süd Delmenhorst:
Eure Aufgabe ist es, die vier Schüler Sonja, Nils, Konrad und Jürn der Hauptschule Baltrum vom Hafen aus zum zweithöchsten Punkt der Insel zu führen. Sie dürfen nur Wege benutzen, die bequem mit dem Fahrrad zu benutzen sind.
Ihr müsst die Wegstrecken in Metern sowie mögliche Kreuzungen und Abzweigungen benennen.
Schickt alles per email oder Chat an das Inselteam. Diese werden eure Angaben per Funkgerät an die vier Schüler weitergeben und rückmelden, wenn es zu Problemen kommt.


Eine live gestellte Aufgabe sollte im Laufe von 30 Minuten zu lösen sein.
Die Ergebnisse werden von den beteilgten Schulen per Chat / Email nach Baltrum an das Redaktionsteam der Schülerfirma übermittelt. Das Team wird die Eregbnisse zeitnah auf einer Webseite veröffentlichen.


Umweltgerechte Navigationaufgabe zum Erreichen der Lernorte

Zusätzlich zu diesen Aufgaben, die auf die aktuellen Lernorte bezogen sind , wird nach dem Rotationsprinzip jeweils einer Schule die Aufgabe gestellt zum nächstfolgenden Lernort zu gelangen, zum Beispiel durch

  • feste Entfernungsvorgabe plus Angaben zur Vegetation o. ä. o d e r
  • Vorgabe von Längen- und Breitengrad plus Kompassangaben o. ä. o d e r
  • Vorgabe von Vegetationsbedingungen plus Zeit-Weg-Vorgaben o d e r
  • Zeit- und Tidenvorgaben o d e r
  • Fotos vom Ort mit Suchanweisungen.

Um den Navigationsaufgaben eine möglichst große Ernsthaftigkeit zu geben, müssen die beteiligten Schulen ihre Navigationsdaten per Chat / email absetzen.
Sie dienen als Grundlage für eine "Spielperson" (Schüler/in aus der GHOS Baltrum), die stellvertretend für die beauftragte Klasse den jeweiligen Zielort nach den ermittelten Vorgaben zu erreichen sucht.


e-learn-watt – von der Vermittlungs- zur Aneignungsperspektive

Im traditionell gestalteten Unterricht wird zwar durchaus effektiv gelernt, aber das Gelernte bleibt i. d. R. bloß als träges Wissen vorhanden, d.h. es wird behalten und kann auch kognitiv reproduziert werden, doch es ist nicht anwendbar, steht nicht für Bewältigung von Problemen in Leben und Wirklichkeit bereit. Im Gegensatz und quer zum alltäglichen Fachunterricht, der vornehmlich durch eine "Vermittlungsdidaktik" bestimmt ist, stellt das Projekt "e-learn-watt" anregende Lernumgebungen bereit, in der ungewöhnliche Beobachtungen und Unterscheidbarkeiten möglich werden.


e-learn-watt – Förderung eines computergestützten, situierten Lernens

Durch die Nutzung der neuen multimedialen Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglicht das Projekt mit seinen zahlreichen Reportagen und vor-Ort-Recherchen ein computergestütztes Naturerleben, schafft Begegnungen mit Lebewesen und Lebensräumen bzw. mit unbelebter Natur. Im Vordergrund steht nicht eine "Belehrungs-", sondern eine fächerübergreifende und auf anschlussfähiges Orientierungswissen zielende "Ermöglichungsdidaktik".


e-learn-watt – Positionsveränderung der Lehrkraft

Die fachpädagogische Lehrkraft ist so nicht länger begrenzt auf die übliche und erwartungsgemäß ausschließliche Expertenposition. Wie die Schüler/innen wird bzw. bleibt auch die Lehrkraft Teil der Lerngruppe. Damit ist die Lehrkraft nicht mehr länger der Erwartung ausgesetzt, alles besser zu wissen bzw. wissen zu müssen. Statt in der vermeintlich primären Funktion des fachwissenschaftlichen Experten ist die Lehrkraft vielmehr als Ideengeber und Moderator weitgehend selbstständiger Lernprozesse gefordert.


e-learn-watt – Einheit von Ökonomie und Ökologie

Auch ein outdoor-Projekt wie e-learn-watt mit seinen multimedialen Finessen muss Rechenschaft liefern, ob die eingesetzten Ressourcen ökonomisch sinnvoll und naturverträglich eingesetzt sind. Im Gegensatz zu den Hard- und Softwarekomponenten (insbesondere zu den kostengünstigen Produkten der Firma Apple Computer) stellt die technische Beratung und Betreuung des Projekts den größten Kostenfaktor dar. Die Ursachen dafür liegen im Pilotcharakter – technische Erfahrungen mit Live-Übertragungen ins Internet fehlen noch weitgehend. Allerdings hat es in der jüngsten Vergangenheit auch für die Nutzung des Internet oder des Computers als Multimedia-Werkzeug vergleichbar betreuungsaufwändige Startphasen gegeben.
Nicht zu unterschätzen ist die Multiplikatorenfunktion der Kommunikationsstrategie: Im Prinzip könnten unendlich viele Schulen an den Aktivitäten und Aufgaben auf der Insel partizipieren, ohne dass dabei gravierende Kosten entstünden. Die Videoproduktionen können außerdem über den Live-Anlass hinaus dauerhaft als Materialsammlung im Internet angeboten werden. Hier kündigt sich eine Marktnische an, die in diesem Fall von einer Schülerfirma aufgegriffen worden ist. Die technische Dimension in Einheit mit dem umweltpädagogischen Konzept des situierten Lernens hat folgende Qualitäten:

  • Veranschaulichung von Realitäten, die sonst nur schwer oder nicht zugänglich sind
  • Verbesserung der Vorstellungskraft von Umwelt-Technik-Beziehungen
  • Beitrag zur Entwicklung eines Umwelt-Basiswissens und -bewusstseins
  • Anstoß zu weiterführenden Lernprozessen (Hintergründe und Zusammenhänge).

Der letzlich unverzichtbare reale, sinnliche Kontakt mit dem echten Wattenmeer könnte mit Hilfe von computergestützten Umweltbildungsprojekten wie zum Beispiel "e-learn-watt" bewusster, sensibler, kritischer, engagierter – nachhaltiger – vorbereitet werden.


e-learn-watt - ein nachhaltiges On-Going-Event

Das Umweltbildungs- und Kommunikationsprojekt "e-learn-watt" legitimiert seinen Nachhaltigkeitscharakter primär in seinem strategischen Ansatz, Umweltbildung in eine nachhaltige Entwicklung zu überführen:
Das Projekt 2004 knüpft an den Erfahrungen des vergangenen Jahres an und erweitert seinen Wirkungsgrad mit dem Kreis von nunmehr sechs Schulen. Zugleich ist es ein wichtiger Etappenschritt in der Perspektive, im Jahr 2005 auch Grenzen von Bundesländern und der drei Wattenmeer-Nationalparkverwaltungen zu überschreiten sowie im Jahr 2006 Schulen aus den Nordsee-Anrainerstaaten in diesem Projekt miteinander zu verbinden.
Allerdings muss auch für die in diesem Jahr beteiligten Lerngruppen eine nachhaltige
Entwicklung gesichert sein. Die am Vormittag gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke lassen sich nur dann dauerhaft verankern, wenn im Folgeunterricht Möglichkeiten der Nachbesprechung, der Korrektur und der Ergänzung bestehen.
Die Schülerfirma axxi.de wird ihrerseits einen unterstützenden Beitrag leisten. Am Freitag, den 28.05., wird das Aufnahmeteam der Schülerfirma weitere Filmaufnahmen vornehmen und mit zusätzlichen Aufgabenstellungen ins Internet stellen.


e-learn-watt – neue Qualität externer Kooperationen

Die Realisierung dieses Projekts ist nicht denkbar ohne eine Öffnung von Schule, ohne die Vernetzung von Bildung und Wirtschaft, ohne die Entwicklung langfristiger (Lern-)Partnerschaften. Im Projekt e-learn-watt beschränkt sich der Beitrag eines Wirtschaftsunternehmens nicht mehr länger auf eine materielle Unterstützung, sondern schließt Evaluationsmaßnah-men ein, mit denen der Einsatz materieller und auch humaner Ressourcen überprüfbar und damit steuerbar wird. Hier dokumentieren Ansätze eines zukunftsfähigen Lernens und Wirtschaftens, wie lebendig und wirkungsvoll ein Netzwerk zwischen Bildung, Umwelt und Wirtschaft sein kann.
Für die freundliche, unbürokratische und ermutigende Kooperation bedanken wir uns bei unserer Schulleitung und bei unseren externen Partnern: Apple Computer, BLK21, BUND, EWE TEL, Juniper Networks, Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, NK Networks & Services.


e-learn-watt – ein Erfahrungsfeld zum kooperativen Lernen

Die Schülerfirma axxi.de hat im Herbst 2003 aktiv an der Jahreskonferenz des Projektes "Internationales Netzwerk innovativer Schulen" (INIS) der Bertelsmann-Stiftung teilgenommen. Die beherrschende Frage war: "Wie können wir unsere unterschiedlichen Schulsysteme fit machen für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts." 
In Kanada konnte der Referent und Trainer Norm Green (Director of Teaching and Learning Strategies am Georgian College in Ontario, Canada) mit seinem Konzept des "Kooperativen Lernens" erhebliche Erfolge erzielen. Er entwickelte auf der Basis der Erkenntnisse der amerikanischen Wissenschaftler David und Roger Johnson ein Konzept für den Unterricht, das zu erheblichen Verbesserungen der Schülerleistungen führte und Lehrerinnen und Lehrern effektive und befriedigende Lehrmethoden an die Hand gab.
Kooperatives Lernen bedeutet, dass sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig bei der Arbeit unterstützen und gemeinsam zu Ergebnissen gelangen. Dies geschieht in Partner- oder Gruppenarbeit. In gut strukturierten Lerngruppen wird unter Zuhilfenahme von zahlreichen Methoden ein hohes Aktivierungsniveau der Lernenden erreicht mit nachhaltigen Erfolgen im kognitiven Bereich. Problemlöse- und Sozialkompetenz werden gleichermaßen aufgebaut und führen häufig zu einem positiveren Selbstbild der Lernenden. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Arbeit in Gruppen ist das Schaffen eines förderlichen sozialen Klimas mit positiven Abhängigkeiten unter den Gruppenmitgliedern.
(Näheres unter: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/greenline/

 

Copyright © e-learn-watt 2004  ·  Schülerfirma axxi.de  ·  Letzte Änderung: 02.06.2004